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Neueste Entwicklungen und Tipps für Investitionen
Von Rechtsanwältin und Mediatorin Wencke Kuhs
Die Verfasserin arbeitete mehrere Jahre als Rechtsanwältin in einer Wirtschaftskanzlei in Chile. Sie berät deutsche Unternehmen bei Auslandsgeschäften und ist außerdem im Bereich der außergerichtlichen Streitbeilegung tätig.
Trotz ihres zurzeit starken Interesses an den neuen EU-Beitrittsländern und China haben die deutschen Unternehmen die Märkte Lateinamerikas nicht aus dem Focus verloren: Ende 2004 stiegen die deutschen Direktinvestitionen in Lateinamerika mit 46,5 Mrd. Dollar auf ein neues Rekordniveau. Über 2000 deutsche Firmen sind mittlerweile in ganz Lateinamerika vertreten. Nach den USA und Spanien nimmt Deutschland damit den dritten Platz bei den Direktinvestitionen in Lateinamerika ein. Insgesamt flossen über drei Viertel aller ausländischen Direktinvestitionen nach Brasilien, Chile und Mexiko. Die kleineren Märkte insbesondere in Zentralamerika finden dabei nach wie vor weniger Beachtung. Vertreter der deutschen Wirtschaft bestätigen, dass aufgrund des anhaltend starken Wirtschaftswachstums in ganz Lateinamerika und der Karibik in vielen Bereichen ein großer Investitionsbedarf besteht und der gesamte Raum für deutsche Firmen wirtschaftlich interessanter denn je ist.
Inhalt: - Einleitung
- 1. Die aktuelle Situation Lateinamerikas
- 2. Aktuelle Länderanalysen
Die derzeit von Investoren bevorzugten Länder Die momentan risikoreichsten Länder: - Argentinien
- Venezuela
- Bolivien
3. Ausblick
1. Die aktuelle Situation Lateinamerikas
Mit einem Wirtschaftswachstum von 5,5 Prozent im letzten Jahr zeigt Lateinamerika, dass der Aufschwung in der gesamten Region anhält und sich weiter stabilisiert. Motor dieser Entwicklung ist das starke Wachstum der Weltwirtschaft und vor allem die ungebrochene Nachfrage nach Rohstoffen wie z.B. Erdöl, Erdgas, Kupfer, etc.. Lateinamerika hat sich wieder zum Rohstofflieferanten von globaler Bedeutung entwickelt. Die Leistungsbilanz der Region ist positiv, die Inflation überwiegend im Griff. Die gesamte Region steht wirtschaftlich gefestigt da.
Wichtigster Investitionspartner in Lateinamerika bleibt nach wie vor die USA, insbesondere in Mexiko und Venezuela. An zweiter Stelle folgt Spanien, das nur in Argentinien und Peru an erster Stelle liegt. Anders sieht es bei den Mercosur-Ländern aus: dort läuft die Europäische Union den USA den Rang ab und nimmt bei den Direktinvestitionen die Führungsposition ein.
Aber auch die asiatischen Länder zeigen immer mehr Interesse am lateinamerikanischen Wirtschaftsraum. Dabei geht es ihnen zurzeit vorrangig um die Deckung des erhöhten Rohstoffbedarfs aufgrund ihres eigenen wirtschaftlichen Wachstums. Im Gegenzug versuchen sie jedoch auch, die südamerikanischen Märkte für preisgünstige Fertigprodukte aus Asien zu erschließen. Außerhalb des NAFTA-Raumes entwickeln sich daher neue Konstellationen, die zu einer größeren Unabhängigkeit der Länder Südamerikas von den USA führt, denn insbesondere die Volksrepublik China wird zu einem immer wichtigeren Handelspartner der großen südamerikanischen Volkswirtschaften.
Neuerdings öffnet sich Südamerika auch dem Nahen Osten: im Mai dieses Jahres fand in Brasilia das erste Gipfeltreffen mit Vertretern aus 33 südamerikanischen und arabischen Staaten statt.
Um weiterhin ein stabiles Wachstum der lateinamerikanischen Märkte zu gewährleisten, halten Experten es für erforderlich, dass Südamerika eigene Investitionen insbesondere in den Bereichen Humankapital, Technologie, Infrastruktur und nicht-traditionellen Exportbranchen vornimmt. Eine gesunde Entwicklung der dortigen Märkte ist nur möglich, wenn das wirtschaftliche Wachstum nicht allein von weltwirtschaftlichen Entwicklungen abhängt.
Investitionsbereiche
Wichtigste Zielbranche deutscher Investitionen in Lateinamerika ist die verarbeitende Industrie. Neben den traditionellen Industriebereichen sehen Fachleute für deutsche Unternehmen weitere Chancen in der Umweltschutztechnologie, bei den erneuerbaren Energieträgern, bei Infrastrukturprojekten, im IT-Bereich, bei der Biotechnologie und in der Landwirtschaft.
2. Aktuelle Länderanalysen
Lateinamerika kann immer weniger als einheitlicher Wirtschaftsraum betrachtet werden, da nicht nur jedes Land andere Voraussetzungen mitbringt, sondern die Regierungen der einzelnen Länder stark unterschiedliche Wirtschaftspolitik betreiben und somit die Bedingungen als auch die Risiken für ausländische Investitionen von Land zu Land sehr verschieden sind.
Dargestellt wird im Folgenden die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation der drei zurzeit bei Investoren beliebtesten lateinamerikanischen Staaten Brasilien, Chile und Mexiko. Im Anschluss erfolgt eine Länderanalyse für Argentinien, Venezuela und Bolivien, die momentan nicht oder nur mit Vorsicht für Geschäfte zu empfehlen sind.
Die derzeit von Investoren bevorzugten Länder Brasilien, Chile und Mexiko
Viele ausländische Unternehmen investieren innerhalb Südamerikas seit geraumer Zeit überwiegend in Brasilien, Mexiko und Chile, da die Präsidenten dieser drei Länder unternehmerfreundliche Wirtschaftspolitik betreiben. Sie locken ausländische Firmen mit interessanten Rahmenbedingungen für die Durchführung von Investitionen.
Brasilien
Im Wahljahr 2002 hatten die meisten ausländischen Unternehmen neue Investitionen in Brasilien zunächst gestoppt, weil sie eine Linksregierung unter Lula fürchteten. Der Arbeiterführer verschärfte jedoch nach seiner Amtsübernahme sogar die Wirtschafts-, Haushalts- und Geldpolitik seines konservativen Vorgängers, so dass sich die Investitionen wieder nachhaltig belebten (ausführlich dazu: AW-Prax 11/2004).
Die Wirtschaftsleistung des Landes ist 2004 um 4,9 Prozent gestiegen, so dass sich die brasilianische Wirtschaft schneller als erwartet von der schweren Wirtschaftskrise im Jahr 1999 erholt hat. Die brasilianische Regierung hielt es sogar für nicht erforderlich, ein aus dieser Zeit stammendes Kreditabkommen mit dem Internationalen Währungsfond IWF dieses Jahr zu verlängern. Zwar ist Brasilien der größte Schuldner des IWF. Zugleich ist es aber auch sein Musterschüler, der bislang die vereinbarten Zielgrößen zu Inflation und Haushalt eingehalten hat.
Die Regierung Lulas betrachtet die Absage der Kreditverlängerung an den IWF als politische Reifeerklärung. In Wirtschaftskreisen wird dies jedoch nicht nur durchweg positiv gesehen, da das Land ohne Hilfskredite für den Fall einer erneuten Krise keine Sicherheit hat. Jede finanzpolitische Entscheidung des Landes wird nun strenger bewertet und einige Experten sagen ein höheres Brasilien-Risiko voraus.
Im ersten Quartal 2005 fiel das Wirtschaftswachstum trotz der hohen Anzahl von Auslandsinvestitionen (Brasilien steht auf Platz 1 der Direktinvestitionsziele in Lateinamerika) gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 2,9 Prozent niedriger aus als erwartet. Ein Grund dafür wird in der derzeitigen innenpolitischen Krise gesehen, da die Regierungskoalition sich seit Monaten schweren Korruptionsvorwürfen ausgesetzt sieht. Lula hat zwischenzeitlich sein Kabinett umbesetzt, doch seine Popularität bei der Bevölkerung liegt aktuellen Umfragen zufolge noch immer bei 55%. Nach Wunsch der Befragten bleibt Lula aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat für die Wahlen nächstes Jahr. Die Privatwirtschaft reagiert jedoch empfindlicher auf die Korruptionsvorwürfe und fordert eine konsequente Aufklärung. Das Investitions- und Geschäftsklima habe sich bereits verschlechtert heißt es aus Unternehmerkreisen: Aufgrund der momentanen Situation sei die künftige Entwicklung des Landes ungewiss und manche nehmen im Moment von weiteren Aktivitäten Abstand, um den Weitergang der Krise abzuwarten.
Chile
Aufgrund seiner politischen Stabilität sowie der liberalen und konstanten Wirtschaftspolitik ist Chile für ausländische Investoren seit Jahren ein interessantes Land (ausführlich hierzu: AW-Prax 06/2005 und 07/2002).
Als einzigem Staat in Südamerika ist es Chile gelungen, ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union abzuschließen. Auch mit den USA ist zwischenzeitlich ein solches Abkommen geschlossen worden. Im Juni dieses Jahres unterzeichnete Chile zusammen mit Neuseeland, Singapur und Brunei das „Transpazifische Freihandelsabkommen“. Damit eröffnet Chile als Tor zu Asien weitere interessante Geschäftsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen.
Trotz der Argentinienkrise und Turbulenzen in Brasilien, Venezuela und Bolivien ist Chiles Wirtschaft stabil geblieben und gilt in der südamerikanischen Region als „Fels in der Brandung“.
Nach Einschätzungen internationaler Banken und Finanzinstitute wird Chile das Wirtschaftswachstum Lateinamerikas auch in den kommenden Jahren anführen. Für den Zeitraum 2005-2010 wird ein Anstieg des Bruttoinlandsproduktes mit durchschnittlich 5-6% prognostiziert. Ein Grund dafür liegt am seit Jahren hohen Kupferpreis, der dem Land innerhalb kurzer Zeit hohe Rendite verschafft hat. Rund 35% des weltweit gehandelten Kupfers stammen aus Chile – der Andenstaat ist größter Kupferproduzent der Welt. Hier bestehen insbesondere für deutsche Unternehmen interessante Geschäftsmöglichkeiten, sei es im Bereich Consulting/Engineering, im Dienstleistungssektor oder in der Zulieferindustrie.
Experten sehen den durch Kupfer bedingten Reichtum jedoch auch kritisch, da eine starke Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Rohstoffen hohe Risiken birgt: zum einen hat ein konjunkturbedingtes Absinken des Kupferpreises oder ein Erschöpfen der Vorräte zum Teil das Aus für ganze Industrie- und Wirtschaftszweige zur Folge. Zum anderen hindert die starke Konzentration auf den Abbau eines Rohstoffs die Entwicklung und Förderung anderer Wirtschaftsbereiche, die langfristig nachhaltigeres Wachstum versprechen.
Zwar hat Chile in den letzten Jahren versucht, die Abhängigkeit vom Rohstoff Kupfer zu verringern und seine Exportpalette erheblich erweitert. Dazu gehört die Stärkung des Fruchtmarktes, den Chile in der südlichen Hemisphäre dominiert. Hinzu gekommen sind auch Lachs, Fischmehl, Papier, Zellulose und Wein aus Chile, die bereits ihren Platz auf dem internationalen Markt gefunden haben. Für eine langfristige und nachhaltige Entwicklung des Landes erachten Fachleute jedoch auch die Förderung von Entwicklung und Forschung, Investitionen in Humankapital sowie einen starken Ausbau des Technologiesektors für erforderlich.
Mexiko
Mexiko ist innenpolitisch im Augenblick ganz vom Vorwahlkampf geprägt. Im Juni 2005 ist der mexikanische Innenminister zurückgetreten, um sich um die Position des Präsidentschaftskandidaten zu bewerben. Wie immer führen die Vorbereitungen auf anstehende Wahlen meist zum politischen Stillstand eines Landes oder zumindest zur Abnahme der politischen Tätigkeit.
Die OECD hat Mexiko bereits ermahnt, den bestehenden Reformstau – der allerdings nicht allein auf die bevorstehenden Wahlen zurückzuführen ist – abzubauen, um ein stärkeres Wirtschaftswachstum zu erreichen. Denn dieses ist im ersten Quartal des Jahres auf 2,4% zurückgegangen.
Der hohe Zustrom von Auslandsinvestitionen beweist jedoch, dass die meisten ausländischen Unternehmen Mexiko weiterhin als einen interessanten Investitionsstandort einstufen. Das Land bietet aufgrund der Größe seiner Volkswirtschaft, der NAFTA-Mitgliedschaft sowie dem mit der EU geschlossenen Freihandelsabkommen nach wie vor vielseitige Möglichkeiten für ausländische Unternehmen.
Was Investoren jedoch sogar kurzfristig abschrecken könnte, ist die zunehmende Kriminalität im Land. Im Norden des Landes müssen Sondereinheiten des mexikanischen Heeres die Polizei bei der Bekämpfung der Drogenmafia und der gewöhnlichen Kriminalität unterstützen. Unternehmerverbände verlangen daher massive Maßnahmen von der Regierung zur Kontrolle der Situation.
Die derzeit risikoreichsten Länder
Im Gegensatz zu Brasilien, Chile und Mexiko sind Investitionen in Argentinien, Venezuela und Bolivien wegen der momentanen Situation dort nicht zu empfehlen.
Argentinien
Die deutschen Direktinvestitionen in Argentinien haben sich im Jahr 2004 im Vergleich zu 2001 halbiert. Zwar boomt die Wirtschaft nach der schwersten Wirtschaftskrise des Landes Ende 2001 wieder und Experten haben für 2005 ein Wachstum von 6 Prozent prognostiziert. Grund dieser Entwicklung ist auch hier das günstige internationale Umfeld, also das starke Wachstum der Weltwirtschaft bei niedrigem Zinsniveau und die hohen Rohstoffpreise.
Die Bedingungen im Land sind jedoch sehr unstabil. Viele ausländische Gläubiger sind aus der Finanzkrise des argentinischen Staates mit hohen Verlusten hervorgegangen, da sich das Land zahlungsunfähig erklärt hat und etwa 75 Prozent der Gläubiger zu einem Verzicht auf einen Großteil ihrer Forderungen „gezwungen“ wurden. Angesichts der sich nun rasch erholenden Wirtschaft bleibt der bittere Nachgeschmack, dass das Land den Forderungsverzicht zu schnell durchsetzen konnte.
Der Umschuldungsprozess ist seitens des argentinischen Staates offiziell im Juni dieses Jahres für die daran beteiligten Gläubiger als abgeschlossen erklärt worden. Die Bonität des Landes liegt damit momentan auf der gleichen Ebene wie Bolivien und Ecuador. Der Risikoaufschlag für argentinische Anleihen ist erstmalig nach 6 Jahren wieder auf unter 800 Punkte herabgestuft worden. Auch der IWF ist bereit, unter strengen Bedingungen wieder ein neues Abkommen mit Argentinien zu schließen.
In der Bevölkerung erfreut sich Präsident Néstor Kirchner weiterhin einer persönlichen Popularität von 70%. Diese ist zurückzuführen auf die sichtbare wirtschaftliche Erholung des Landes und der damit verbundenen zurückgehenden Arbeitslosigkeit. Des Weiteren hat er sich innenpolitisch durch populistisches Geschick bei der Bevölkerung sehr beliebt gemacht.
Internationale Investoren sind jedoch nach wie vor vorsichtig. Denn das populistische Verhalten des Präsidenten schafft ein investitionsfeindliches Klima, da wirtschaftspolitisch auch vor anti-kapitalistischen Aktionen nicht zurückgeschreckt wird. Die Arbeiterbewegungen erlangen mehr und mehr Einfluss und im Gegenzug erfährt die Privatwirtschaft immer weitere Einschränkungen. So hat der Präsident selbst zum Boykott eines ausländischen Unternehmens wegen angekündigter Preiserhöhungen aufgerufen. Einige ausländische Unternehmen denken sogar über einen völligen Rückzug aus Argentinien nach.
Venezuela
Nach Angaben der venezolanischen Zentralbank hat das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2005 um 7,9% zugenommen. Private Verbände schätzen das Wachstum für das Jahr 2005 auf etwa 5-6% ein.
Aufgrund des hohen Ölpreises boomt die Wirtschaft. Die Wirtschaftspolitik des linksgerichteten Chávez ist jedoch völlig unkalkulierbar geworden. Ausländische Farmer wurden unter ihm enteignet und die Bestimmungen für Steuern, Währung und Investitionen wechseln ständig.
So ist zum Beispiel Ende letzten Jahres in manchen Bereichen des Erdölsektors ohne vorherige Ankündigung die Erdölfördersteuer von 1 auf 16,5% erhöht worden. Des Weiteren soll überprüft werden, ob einige Erdölunternehmen diese Steuer nicht sogar rückwirkend für die letzten 4 Jahre zahlen sollen. Einher gingen diese Entscheidungen mit Angriffen auf die ausländischen Erdölunternehmen, denen Vertragsbruch, Steuerhinterziehung und die Ausbeutung Venezuelas vorgeworfen wird. Die grossen Ölfirmen wie China National Petroleum Corp, die russische Lukoil oder die französische Total lassen sich trotz der politischen Unsicherheiten und der sozialistischen Wirtschaftspolitik der Regierung Chávez nicht von Investitionen im Lande abschrecken, da sie bei der Erdölförderung noch immer zu hohe Gewinne erzielen als das ein Rückzug aus dem Land für sie in Betracht käme.
Das Beunruhigende an dem fast diktatorisch regierenden Chávez ist jedoch nicht nur seine wechselhafte Innenpolitik, sondern die von ihm betriebene militärische Aufrüstung durch den Kauf von russischen Waffen und spanischen Panzern. Zwischenzeitlich hat er auch im Bereich der Nuklearenergie eine Zusammenarbeit mit dem Iran angekündigt. Vorab hatte Chávez im April dieses Jahres die seit 35 Jahren dauernde militärische Zusammenarbeit mit den USA gekündigt. Begründet wurde diese Maßnahme damit, dass die amerikanischen Militärs, die bis dahin freien Zugang zu den venezolanischen Kasernen hatten, gegen die Regierung von Chávez konspirieren würden.
Innerhalb Lateinamerikas unterstützt Venezuela offen die linksgerichteten Oppositionskräfte in Kolumbien, Bolivien und Ecuador. Die Politik Chávez wird nicht nur von den USA, sondern auch von der Europäischen Union mit großem Misstrauen verfolgt und kritisiert.
Bolivien
Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr lagen bis Ende April noch immer bei durchschnittlich 3,5%. Die Wirtschaftsexperten gehen nun jedoch davon aus, dass diese Zahlen dieses Jahr nicht mehr erreicht werden können.
Grund dafür sind die innenpolitischen Krisen, die das Land derzeit erschüttern. Anfang Juni dieses Jahres hat der Präsident Carlos Mesa zum dritten Mal in drei Monaten seinen Rücktritt wegen „Unregierbarkeit des Landes“ angeboten. Diesmal hat das Parlament den Antrag angenommen. Interimspräsident bis zu den Neuwahlen ist der bisherige Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs, Eduardo Rodriguez. Seine Ernennung führte innenpolitisch zu einer Beruhigung des Landes, der wochenlange und von Gewalt begleitete Proteste vorausgegangen waren.
Anlass der Unruhen war die Verabschiedung eines Gesetzes, das gegen den Willen Mesas verabschiedet worden ist: dieses erlegt den Energieunternehmen rückwirkend Steuern und Abgaben in Höhe von zusätzlich 32%, also insgesamt 50%, auf. Möglich war dies, weil linksradikale Oppositionsbewegungen immer mehr Einfluss im Land gewonnen haben und die komplette Verstaatlichung der Wirtschaft verlangen.
Die innenpolitische Krise Boliviens hat auch internationale Auswirkungen: Ein Teil Brasiliens ist vom bolivianischen Erdgas abhängig, so dass hier schwerwiegende Folgen für die brasilianische Wirtschaft befürchtet werden. Des Weiteren wird international mit großer Sorge die Zunahme der Macht des linken Oppositionsführers in Bolivien, Evo Morales, gesehen. Ziel des Sozialisten ist scheinbar die Machtergreifung mittels Antiamerikanismus, Globalisierungsfeindschaft, Drogenkontakten und Rassenkampfforderungen. Unterstützt wird er durch den Linkspopulisten Chávez, der dabei von einem von Venezuela bis Bolivien reichenden Groß-Kolumbien zu träumen scheint - wie einst das Gebiet, welches der venezolanische Freiheitsheld Simon Bolivar zu Kolonialzeiten vom Joch der Spanier befreit hatte.
3. Ausblick
Trotz des hohen Wirtschaftswachstums und der sehr positiven Bewertung der gesamten Region sind für die nahe Zukunft Lateinamerikas zwei Umstände zu berücksichtigen:
Zum einen werden die aus der Weltwirtschaft resultierenden Wachstumsimpulse tendenziell wieder abnehmen. Des weiteren finden in 17 lateinamerikanischen Staaten bis Ende nächsten Jahres Präsidentenwahlen statt. Dadurch drohen ein Zurückgehen der Exporteinnahmen und ein damit verbundenes geringeres wirtschaftliches Wachstum sowie ein durch die Wahlkämpfe bedingter politischer Stillstand in der Region. Diese Mischung aus schwächerem Wachstum und stagnierender Politik könnte linksgerichteten Populisten Auftrieb verschaffen wie zum Beispiel in Ecuador und Venezuela. Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, würde sich die Region selbst ins Abseits stellen, da ausländische Investoren sich wieder zurückziehen würden. Vor dem Hintergrund jedoch der enormen politischen und wirtschaftlichen Stabilisierung, die die gesamte Region in den letzten Jahren erfahren hat, sollte diese mögliche Entwicklung momentan nicht überbewertet werden. Trotzdem sind eventuelle Tendenzen im Auge zu behalten, um bei seinen geschäftlichen Tätigkeiten nicht böse überrascht zu werden.
Quellen und weiterführende Hinweise
Autor: w.kuhs@legitas.de
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